Strand-Geschichten eines Schreibwettbewerbs der TAZ - veröffentlicht auf Ferienwohnungen watt-meer.de

Steinhuder Meer

Gesprächsfetzen am Strand
von MARIA BERNARDE BENNING (1. Preis)

"Auto, Auto, Auto, mein Auto."

"Maaama. Maaaaaaama."

"Liebling, das sind genug Chips."

"Ba, ba, die Seegurke. Ba. Igittigittigittigitt." "Hat einer hingekackt. Lass liegen, Schätzchen."

"Wenn ich das gewusst hätte, dass es warm wird - so warm -, dann hätte ich meinen Badeanzug mitgenommen. Aber heute Morgen, da hieß es: Gewitter."

"Dieses Jahr haben sie ja alle son Arschgeweih, son Tattoo aufm Hintern. Sieht aus, als ob sich aus der Bikinihose ne Krake rausräkelt. Oder rein. Gar nicht schlecht. Könnte sich auch oben rum noch was räkeln. Wär auch schön. Kommt vielleicht nächstes Jahr, son Tittentattoo."

"Denise, Deenieß! Nicht weiter, hier bleiben, komm zurück."

"Hey, Kleiner, hör mal: Ein echter Junge weint nicht - kennt keinen Schmerz."

"Der war gut. Der war echt gut. Hast du gesehen, dass der Kleine sofort aufgehört hat zu flennen, wie der Alex sich zu ihm runtergebeugt hat? Der war gut. Echt gut."

"Gib mal n Alster aus der Kühltasche. Und das kleine Frotteehandtuch. Das weiße. Aber pass auf, dass du die Angelrute mit der Fahne nicht noch mal umreißt. Will mir den Schweiß abwischen. Unter den Armen läuft die Suppe nur so runter."

"Hier kann man nicht Ball spielen, zu flach. Lass uns weiter rausgehen. Fang!"

"Wieso willst du nicht ins Wasser? Alle Kinder mögen Wasser. Los, rein da. Schwuuuuups!"

"Ich bin ein Löwe. Huah, ich beiß dich."

"Darf das Baby mit dem Eimer spielen?"

"Na, du blonder Tiger."

"Der Kleine hier spielt immer erst mit anderen, wenn er die ganz genau kennt. Vorher ist der schüchtern. Sogar vor noch kleineren Kindern hat der Angst. Versteckt sich. Ich mag so Kinder, die keine Angst haben. Aber der Kleine hier, der hat sogar Angst vorm Wasser. Früher war er ganz blond. Dachten alle - Kollegen und so -, ich hätte deutsche Frau. Hab ich aber nicht. Ist türkisch."

"Soll Gewitter geben heute, steht hier. An der Côte dAzur brennt es. Vom Feuer. Nicht von der Sonne. Also, was das hier alles kosten würde da unten an der Côte dAzur. Da wärst du für ne Cola 5, 6 Euro los. Strand ist doch Strand. Macht doch keinen Unterschied. Algen gäbs da nicht, meinst du? Hast du ne Ahnung. Im Hafen waren ganz schön viele damals. Und riesengroße. Nee, nee, ich kann nur noch mal sagen: Was wir hier alles haben, das könnten wir uns da nicht leisten. Echt nicht."

"Die mit den Schwänzchen sind Jungs, die anderen Mädchen, Schätzchen."

"Tut mir Leid, dass der Softball, den Sie da zurückgelassen hatten, weg ist. Ich hab genau gesehen, wie ein Junge den weggenommen hat. Ich hab noch zu dem gesagt: Der gehört doch hier zu dem Spielzeug dazu. Aber das hat den nicht interessiert. Ich finde so was nicht schön. Da hat man doch gar kein Vertrauen mehr in die Öffentlichkeit. Was? Diese beiden Förmchen gehören gar nicht Ihnen? Na. Nehmen Sie die man einfach mit. Als Entschädigung. Da! Ich tu sie Ihnen in den Eimer rein."

"Mein Gott, du stellst dich an. Das ist wirklich unglaublich. Fischsuppe. Also, wenn ich das schon höre. Einen toten Fisch haben wir gesehen. Einen einzigen. Okay. Algen sind hier. Aber vielleicht ist das auch Entengrütze. Keine Ahnung. Jedenfalls habe ich gelesen, dass die gut sind, die Pflanzen. Für das Wasser. Und der Fisch? Der Fisch, also jeder Fisch muss einfach irgendwann sterben. Das ist so. Dann treibt er tot auf dem Wasser. Wo soll der denn sonst hin? Kann sich ja nicht in Luft auflösen, der Fisch. Klar, kann auch sein, dass der an Umweltgift gestorben ist. Aber wir haben ja nur einen toten Fisch gesehen. Würden doch alle oben schwimmen, wenn da Gift wäre."

"Na, das haste jetzt davon, von dem Gematsche. Jetzt liegt die Banane im Sand. Lass liegen. Ist doch ekelig. Liegen lassen! Nein. Neihein."

"Darf ich auch mal auf dem Delfin reiten?"

"Frauen rasieren sich die Schamhaare, damit sie wie kleine Mädchen aussehen, ist doch wohl sonnenklar. Unberührt wollen die wirken, unerwachsen. Was soll schon sein, wenn das eine Frau mit zwei Kindern macht? Ob das geht? Nur solange sie nicht alt aussieht - vom Fleisch her. Muss drall sein, kindlich. So lange geht das. Sonst nicht. Ist doch sonnenklar. Wenn eine welk ist und ihre Scham aussieht wie beim dreizehnjährigen Mädchen na ja."

"Also ich finde diese Stringtangas für Männer über vierzig komisch. Besonders bei Familienvätern. Sieht irgendwie krass aus, so ein Sexmogul als Pappi. Da muss ich einfach grinsen, wenn ich das sehe."

"Ball. Ball. Ball. Balta will Ball."

"Da, da, da."

"Was ist da?"

"Da, da, da, Auto, Auto, Auto."

"Au, jetzt hat sie mich gestochen, diese Pferdefliege. Aufm Rücken." "Wieso willst du nicht ins Wasser? Du tust dir doch zu Hause auch Schlammpackungen ins Gesicht."

"Nane, Nane, Stella Nane. Naaaane. Naaaane."

"Jens, du bist ein Faulbär. Kind will Banane. Wer rührt sich? Ich. Immer nur ich. Aber ich hab auch Urlaub."

"Lurche. Lurche fressen die Nattern also. Hier steht: Ringelnattern jagen im Flachwasser nach Lurchen."

"Du bist doch kein Baby mehr. Da, iss das Eis man schön alleine. Ja glaubst du denn, mir gefällt das, wenn mir die süße Pampe übern Arm läuft? Da, iss schneller. Lecken! Lecken! Da, lecken! Und jetzt hier. Lecken! Immer schön lecken."

"Nein, kein Eis mehr. Du hast schon zwei Fruchtfinger gehabt und bunte Kaugummis. Jetzt ist Schluss. Iss mal was Salziges. Ist auch besser für die Zähne. Pommes? Die kannst du haben. Na schön. Aber wir grillen heute Abend noch, musste bedenken."

"50 Cent kostet das Deutschlandfähnchen am Kiosk. 50 Cent. Dann bleiben dir noch wie viel? 50, genau. Schön."

"Jetzt ist es in den Sand gefallen. Nein. Das kriegen wir nicht mehr sauber. Das geht mit Eis nicht. Mit Gummibärchen geht das. Die konnten wir abwaschen. Ja. Aber das Eis, wenn wir das unter Wasser halten, dann ist es weg. Weggespült."

"Ich finde Piercing geil. Ich stelle mir immer vor, wie es wohl wäre, mit einem riesigen Magneten über den Strand zu laufen. Die eine hing mit dem Ohr dran, die Nächste mit der Nase, die Dritte mitm Bauchnabel und die Vierte, die wäre Schamlippen-gepierct. Female Piercing heißt das, hab ich neulich im Schaufenster gesehen. Das wär so geil. Und die vielen falschen Piercings, die aufgeklebten, die flögen nur so über den Strand. Klack, klack, klack - ran an mein Magnet."

"Süßelchen, willst du auch ne Cola? Für Bier ist mir das jetzt noch zu früh. Ehrlich."


Maria Bernarde Benning ist 38 Jahre alt und lebt zurzeit als freie Journalistin in Hannover
20.9.2003 taz Reise 225 Zeilen, MARIA BERNARDE BENNING S. 17

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(Herzlichen Dank der TAZ, dass wir die Strand-Geschichten des Sommer-Schreibwettbewerbs 2003 hier auf watt-meer.de veröffentlichen dürfen.)


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